Hingucker auf Zeit

Riesenposter an Baugerüsten brauchen Genehmigungen der Kommunen

Beeindruckende Dimensionen, aber nicht überall durchsetzbar.

Eigentlich klingt das ziemlich clever: Mit einem Riesenposter an einem Baugerüst hat schon mancher Eigentümer die Kosten für den Gerüstaufbau finanziert. Peter Ibach, Geschäftsführer der Big Poster GmbH, einem Beteiligungsunternehmen der Ilg Außenwerbung in Stuttgart, relativiert das aber sofort: „Die Werbekunden stehen derzeit nicht Schlange.“ Das Angebot ist auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt deutlich höher als die Nachfrage nach diesen Produkten. Sogenannte Blow-ups oder auch Riesenposter genannte Werbeträger sind eine spezielle Form der Außenwerbung. Es gibt sie seit den 1990er Jahren, als man mit speziellen Druckmaschinen endlich Werbeplanen bis zu einer Breite von fünf Metern bedrucken konnte.

Die Großdrucke sind meistens in den Citylagen der Großstädte zu finden. Gebucht werden die Flächen von bundesweit werbenden Unternehmen aus der Automobil-, Getränke-, Mode- und Telekommunikationsbranche. Topstandorte für die überdimensionalen Werbeträger sind derzeit Berlin, Hamburg und München, gefolgt von Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart. In kleineren Kommunen findet man sie eher selten, und wenn, dann sind es meistens lokale Unternehmen, die diese ungewöhnliche Werbeform für sich nutzen. „Riesenposter sind für unsere nationalen Kunden in der Regel erst ab einer Einwohnerzahl von 100.000 interessant“, sagt Peter Ibach. Das hängt mit der Frequenz zusammen, also wie viele Werbekontakte pro Tag möglich sind. „Und die sind in einer Großstadt naturgemäß höher als etwa in einer Kleinstadt.“

Produktionskosten: Zwischen 2.000 und 4.000 Euro

Dafür sind diese Unternehmen auch bereit, für die Aushangperiode – das sind bei Riesenpostern 28 Tage – einen hohen fünfstelligen Preis zu zahlen. Für die Werbung an prominenten Standorten, wie am Brandenburger Tor in Berlin, werden auch schon mal sechsstellige Beträge bezahlt. Da fallen dann auch die Produktionskosten kaum noch ins Gewicht. Bei einem Riesenposter von zehn Meter Breite und zwölf Meter Höhe liegen die reinen Produktionskosten zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Darin enthalten sind neben den Druckkosten auch die Aufwendungen für das Anbringen, die Genehmigung und die Beleuchtung.

„Die Werbekunden verlangen heute eine 24-stündige Sichtbarkeit ihrer Werbung.“ Das ist aber nur durch das Installieren von künstlichem Licht möglich, erläutert Ibach. Hausbesitzer, die mit dem Gedanken spielen, durch ein Riesenposter die Baukosten zu senken, sollten bei ihren Planungen aber auch an die Mieter denken. „Wenn die am Gerüst angebrachten Werbeflächen die Lichtdurchflutung einschränken, könnten die Mieter Mietminderung verlangen.“ Und auch der Werbekunde kann verärgert sein, wenn seine Markenbotschaft in der Dunkelheit nicht mehr lesbar ist – nur weil das Licht aus den Wohnungen durchscheint.

Manchmal variiert das Planungsrecht

Ganz einfach ist die Inbetriebnahme der ungewöhnlichen Werbeträger also beileibe nicht: Es gibt nämlich auch rechtliche Einschränkungen, die von Kommune zu Kommune abweichen können. In Stuttgart etwa kann das von Grundstück zu Grundstück variieren, da es keine einheitliche Satzung für das Stadtgebiet gibt, die die Nutzung von Werbeanlagen regelt. In vielen Fällen – insbesondere in der Innenstadt – fehlen diese Vorschriften aber. Dann muss das Baurechtsamt individuell entscheiden, ob die beantragte Werbung stadtverträglich ist oder nicht. Doch was ist schon ein wenig Aufwand, wenn alle Passanten meine Werbung betrachten?

Über Detlev Brechtel 100 Artikel
Editor-in-Chief & Digital Strategy.
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