„Plakatdesign ist eine Kunstform“

Der Grafik-Designer Götz Gramlich ist einer der renommiertesten Plakat-Designer Deutschlands und international eine anerkannte Größe

Götz Gramlich, international renommierter Plakatdesigner.

Herr Gramlich, wie kamen Sie überhaupt zum Design?

Götz Gramlich: Über einige Umwege! Nach dem Abi arbeitete ich erstmal als Pfleger, studierte dann erst BWL und danach Kommunikationswissenschaften (KW). Ich merkte aber ziemlich schnell, dass mich das alles nicht ausfüllt – ich schloss auch keines der Studien ab. Dafür fing ich aber während des KW-Studiums schon an, nebenher Design zu machen, zum Beispiel Flyer für Clubs. Das war schon eher mein Ding, weil es halt meinen Talenten entsprach. Und irgendwann klappte es dann auch mit dem Studium: 2005 schloss ich mein Kommunikationsdesign-Studium in Darmstadt ab.

Was fasziniert Sie denn am vielschichtigen Thema Grafik-Design am meisten?

Gramlich: Vieles! An dieser Stelle nur zwei Punkte: zum einen ist es immer wieder spannend, komplexe Sachverhalte mithilfe von Schriften, Farben und Formen so reduziert darzustellen, dass man damit fokussiert Themen kommunizieren kann. Ein anderer Punkt: man muss sich immer wieder in neue Prozesse reindenken: jeder Kunde tickt anders, hat andere Fragestellungen und Wünsche. Routinen entstehen somit keine – und alleine das fordert immer wieder unsere Kreativität aufs Neue heraus.

Ihr großes Thema ist das Plakatdesign. Woher kommt die Leidenschaft für dieses spezielle Medium?

Gramlich: Ich war anfangs viel für Kunden im öffentlichen und kulturellen Bereich tätig. Und bei diesen Auftraggebern sind Plakate seit jeher gefragt im Rahmen ihrer Kommunikation. Es hat mir von Beginn an einen riesigen Spaß gemacht. Dann hatte ich das Glück, für zwei Jahre bei dem Schweizer „Plakat-Guru“ Niklaus Troxler arbeiten zu dürfen. Bei ihm lernte ich nicht nur, Plakate noch besser zu gestalten, sondern auch, Plakatdesign als eine Art Kunstform zu begreifen, die auch unter Grafik-Designern einen hohen Stellenwert hat.

Inwiefern ist das eine „Kunstform“?

Gramlich: Das Plakat an sich ist deshalb ein interessantes Medium, weil es nur aus einer Fläche besteht. Und für einen Gestalter es ist eine große Herausforderung, mit dieser einen Fläche größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das heißt, es muss gestalterisch so ansprechend sein, dass es auf den ersten Blick neugierig macht oder Aufmerksamkeit erzeugt. Das Plakat kann alles, was man im Grafik-Design gelernt hat, beinhalten. Es kann Illustration verwenden, Typografie, Bild, Bild-Collagen oder alles zusammen. Es ist ein wahnsinnig breites Spektrum, dem man sich in der Plakatgestaltung bedienen kann. Und immer eine Herausforderung, eine neue Idee für bestehende Kontexte zu finden, die vorher noch nicht da war.

Interview: Detlev Brechtel

Götz Gramlich arbeitet seit 2005 in seinem Studio gggrafikdesign in Heidelberg. Er hat weltweit erfolgreich an Plakat-Wettbewerben teilgenommen – als da wären: Graphis Award, Poster Biennale Mexico und China, 100 beste Plakate, red dot, TDC New York und Tokyo sowie Poster Workshops etwa in Amiens (Frankreich), Hangzhou (China), Harare (Zimbabwe) und Stuttgart veranstaltet. 2011 rief Gramlich zusammen mit Marcello Lucas den internationalen Plakatwettbewerb „Mut zur Wut“ mit rasant wachsenden Teilnehmerzahlen aus allen Regionen der Erde ins Leben. Dieser soll ein Bewusstsein für globale und gesellschaftliche Probleme schaffen. Götz Gramlich unterrichtet an der Hochschule Mannheim, Fakultät für Gestaltung.

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Über Detlev Brechtel 75 Artikel
Editor-in-Chief & Digital Strategy.
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