„Plakat ist nicht wegzudenken“

Viola Thies ist geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur Move It Media, Nürnberg. Wir trafen Sie am Rande des BEST 18/1 Award

PLAKATIV: Frau Thies, was für ein Verhältnis haben Sie persönlich zum Werbemedium Plakat oder generell zur Außenwerbung?

VIOLA THIES: Außenwerbung sowie das Medium Plakat stehen seit vielen Jahren im Mittelpunkt meiner täglichen Arbeit bei Move It Media. Gerade da wir uns primär mit mobilen Plakaten oder Sonderformen wie 3D Installationen und Live- Kommunikation um das Plakat beschäftigen, ist ein Blickfang des Motivs und eine schnell verständliche Botschaft wesentlich für den Erfolg der Kampagne für unsere Kunden. Es freut uns, dass die Nutzung von Außenwerbemedien, die in der Regel auf Plakatmotiven aufbauen, für Kunden aller Branchen und für nahezu jeden Anlass von Produktlaunch über Eröffnungen, Messen und Imagewerbung Relevanz haben und mittlerweile fester Bestandteil oder sogar in speziellen Formen Highlight der OOH-Kampagne sind.

PLAKATIV: Wie empfinden Sie die Plakat-Kreation in Deutschland grundsätzlich? Sind wir hierzulande möglicherweise zu brav?

THIES: Wie bei jeder Kreation ist das eine Frage des Geschmacks. Gute Werbung ist die, die die Zielgruppe effektiv erreicht. Das ist nicht nur eine Frage der Gestaltung, sondern auch eine Herausforderung für die Mediaplanung, deren Aufgabe es sein muss, die Kunden dort abzuholen, zu unterhalten und zu überraschen, wo sie sich bewegen und offen für Impulse sind – das ist der Unterschied zu TV, wo weg geschaltet werden oder man sich anderweitig entziehen kann oder möchte. Natürlich muss ein Motiv so gestaltet sein, dass es schnell und klar aufgenommen und verstanden wird – die große Chance der Außenwerbung ist die Präsenz im Alltag. Ob das Motiv aber aufgenommen und erinnert wird, hängt allein von der guten Gestaltung ab. Das erfordert primär Verständnis und Feingefühl für die Zielgruppe. Mut allein führt möglicherweise zu witzigen oder provokanten Motiven, die aber durchaus ihre Wirkung vollends verfehlen können. Das empfinde ich keineswegs als nationales Problem – dieser Herausforderung müssen sich Außenwerber und Kreative weltweit stellen.

PLAKATIV: Wo sehen Sie die Relevanz für Plakatwerbung generell?

THIES: Das Plakat ist im Mediamix nicht wegzudenken. Auch wenn sich Präferenzen und Prioritäten verschieben, digitale Medien im Mediamix mehr Relevanz erhalten, ist das Plakat das einzige Medium, dem sich tatsächlich keiner entziehen kann, der sich außerhalb seiner 4 Wände bewegt. Und das sollte mittel- und langfristig für alle Bevölkerungsschichten gelten, egal, welches Consumer-Verhalten bei Medien gerade vorherrscht.

PLAKATIV: Was kann aus Ihrer Sicht ein Wettbewerb wie BEST 18/1 leisten? Die „Branche“ zu einer neuen Auseinandersetzung mit Kreation bringen?

THIES: Ein Wettbewerb wie BEST 18/1 leistet einen vielschichtigen Beitrag zum Nachdenken über Plakate, deren Nutzung und Gestaltung. Gerade die Aufforderung an Kreative, neue Produkte oder Marken auf dem Medium Plakat darzustellen, öffnet Werbetreibenden aller Branchen den Blick für die Chancen der Außenwerbung. Nachdem es sich um einen Wettbewerb und nicht um eine „alltägliche“ Gestaltung handelt, sind Kreative evtl. mutiger oder inspirierter, Neues zu wagen und den Kunden anzubieten. Das kann tatsächlich ganz neue Bereiche erschließen und bietet Chancen für Nutzer genauso wie Anbieter des Mediums. Sehr wertvoll finde ich außerdem die Plattform, die sich durch die Begegnung und Auseinandersetzung mit Kreativen, Kunden und Medien bietet. Gerade der Award BEST 18/1 ist seit vielen Jahren d a s Treffen dieser Tätigkeitsfelder. Dafür verdient die ASS größte Wertschätzung und Dank aller, die davon profitieren dürfen.

Über Detlev Brechtel 101 Artikel
Editor-in-Chief & Digital Strategy.
Kontakt: Webseite

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*