Ströer veranstaltet Thinktank für digitale urbane Intervention

PROXITY Konferenz beschäftigt sich mit der Rolle der Stadt in einer digitalisierten Welt

Die Digitalisierung unserer Städte nimmt immer weiter zu. Welche Auswirkungen hat das auf das Zusammenleben der Menschen? Wie verändert sich die Wahrnehmung der Stadt durch digitale Technik, Big Data, Sensoren und vernetzte Systeme? Diesen Fragen widmete sich vor einigen Tagen die erste Konferenz des Proxity Thinktanks.

Proxity ist ein Kunstwort, gebildet aus den Begriffen Proximity Marketing und City – es steht für die zunehmende Verstrickung von digitaler Technik und Stadtleben. Sechzig Experten aus Kommunalpolitik, Außenwerbung und Hochschulen kamen am HKIC Handelskammer InnovationsCampus in Hamburg zusammen, um einen Tag lang über die digitalisierte Stadt zu diskutieren. Die Konferenz wurde gemeinsam mit der Innovations Kontakt Stelle (IKS) Hamburg veranstaltet.

Smart City – was bedeutet das?

„Um eine Stadt ’smart‘ zu machen, gibt es seit einigen Jahren gesamtheitliche Entwicklungskonzepte: Effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozialer soll sie werden. Doch was bedeutet das und wie können wir diesen Prozess mitgestalten? Mit dem Proxity Thinktank wollen wir genau diesen Fragen nachgehen“, erklärte Alexander Stotz, CEO der Ströer Media Deutschland. „Nicht nur unsere digitalen Angebote, sondern alle Werbeträger werden Teil der Smart City: Mit einem öffentlichen WLAN-Netz und Small Cells, die, in Werbeträgern installiert, die Kapazität und Netzabdeckung des Mobilfunknetzes verbessern, tragen wir unseren Teil zu einer urbanen Kommunikationsinfrastruktur bei.“

Den Anfang beim Proxity Thinktank machte Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Er wies darauf hin, wie wichtig Kommunikation für das urbane Leben sei und welche Chancen im Einsatz von Daten lägen. Neben dem Datenschutz solle daher auch der Datenschatz im Blick behalten werden. Prof. Markus Nüttgens, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Hamburg, erarbeitete ein Zukunftspanorama für die Stadt von morgen.

Neue Leitbilder entwickeln sich

Die Vision von der Stadt der Zukunft prägt die Entscheidungen, die Menschen heute treffen, deshalb entwickelten die Thinktank-Teilnehmer unterschiedliche Leitbilder – von der grünen Stadt, über Stadt als digitale Schnittstelle oder als Marke bis zur Stadt als Spielplatz. Dabei wurde unter anderem die stärkere Partizipation der Bürger als wichtiger Aspekt eines künftigen urbanen Lebens definiert – die durch das Internet und eine mehr und mehr digitalisierte Verwaltung möglich wird.

Beat Schwegler, Cloud Evangelist bei Microsoft, ging auf das Thema Stressreduktion durch technologische Innovationen in einer Smart City ein. Sensoren, Monitoring, Big-Data-Analysen und digitale Interaktion könnten flexibel Einfluss auf Verkehr, Luftverschmutzung, Energieverbrauch und viele andere Faktoren nehmen, die zum Stress-Empfinden in der Stadt beitragen. Durch Algorithmen und künstliche Intelligenz ließe sich so das Zusammenleben stressfreier gestalten. Wichtig seien dabei Smart Services, die von Behörden und Unternehmen angeboten würden, um den Stadtbewohnern das Leben zu erleichtern.

Die Stadt als Supermedium

Städte sind seit jeher ein Ort, an denen eine Vielzahl von Kommunikationsströmen zusammenfließt. Deshalb kann man die Stadt als ein Supermedium bezeichnen, erläuterte Dirk Engel, unabhängiger Markt- und Medienforscher. Architektur, öffentliche Plätze, Denkmäler, Kunstwerke und Werbung vermitteln Informationen, gemeinsame Werte und bilden ein kollektives Gedächtnis.

Die Vernetzung mit dem anderen Supermedium, dem Internet, führt zu einer Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten. Als Beispiel kann man das Wechselspiel zwischen sozialen Medien und Graffiti/Street Art betrachten. Für die Außenwerbung bieten sich hier Chancen, wenn die Bedürfnisse der Nutzer des Supermediums Stadt berücksichtigt werden: Relevante Kommunikation anstatt einer Werbeflut. „Die Smart City darf nicht zur Spam City werden“, meinte Engel.

Workshop: Digitalisierung hilft Demokratie

Technologie muss den Städten zu mehr Demokratisierung verhelfen. Das war das Kernthema eines interaktiven Workshops, den Ricardo Brito und Paul Houghton vom Design- und Software-Unternehmen Futurice mit den Teilnehmern des Thinktanks veranstalteten. Die grundlegende Frage dabei war: Wie können wir mehr Erlebnisse schaffen, die im Einklang mit dem demokratischen Werten der Menschen sind?

„Freies WIFI alleine macht eine Stadt noch nicht smarter“, erläuterte Florian Rotberg vom Digital-Signage-Anbieter Invidis in einem Interview mit Christian von den Brincken, Head of Strategy & Innovation bei Ströer. Seiner Meinung nach sitzen die treibenden Kräfte für einen innovativen Einsatz von Technik nicht in den Behörden und Rathäusern, sondern in den Unternehmen. Die internationalen Vorreiter sind dabei jene Städte mit wenig gewachsenen Strukturen, wie etwa Dubai oder die estländische Hauptstadt Tallinn.

Je smarter, desto mehr Freiraum?

In einem kurzen Fazit der Veranstaltung wies Dirk Engel, der durch den Tag als Moderator führte, auf einen Grundkonflikt hin: Das Leben in der Stadt hat in den letzten zweihundert Jahren den Maschinen (Autos, Industrie, Flughäfen, Energieversorgung) immer mehr Platz eingeräumt. Die digitalisierte und vernetzte Smart City scheint auf den ersten Blick den Maschinen noch mehr Macht zu geben. Doch bei genauerem Hinsehen hat sie das Potenzial, den Menschen wieder mehr Freiraum zu geben. Wichtig bei aller Technisierung ist dabei, dass die Bedürfnisse und Werte der Stadtbewohner verstanden und ihnen Rechnung getragen wird.

Der Proxity Thinktank sieht genau darin seine Aufgabe und plant für die Zukunft weitere Veranstaltungen.

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Über Detlev Brechtel 108 Artikel
Editor-in-Chief & Digital Strategy.
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