Kommentar: „In den Finger geschnitten, Netflix!“

Werberat zwingt Streaming-Dienst Schockplakat abzuhängen

Der Streaming-Dienst Netflix wirbt am Potsdamer Platz. Das ist erstmal cool und vermutlich das kontaktstärkste, was die Hauptstadt so zu bieten hat. Das Motiv allerdings ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht jedermanns Sache. Ein in Scheibchen geteilter Finger in Curry-Wurst-Optik soll auf die neue Comedy-Serie „Santa Clarita Diet“ aufmerksam machen.

Was man so hört, ist die Staffel um eine zur Kannibalin mutierende Drew Barrymore nicht wirklich zum Finger lecken. Das Motiv der Kampagne leider auch nicht. Gute Kreation, soviel ist klar, sieht anders aus. Das billige Kalkül „Hauptsache schocken!“ kann nach PR-Maßstäben wohl als Coup durchgehen. Ob es allerdings nachhaltiger oder nur kurzfristiger Ruhm für die TV-Konkurrenz ist, muss man abwarten.

Nach etlichen Beschwerden beim Werberat hat dieser nun Netflix aufgefordert, die Plakate abzuhängen. Bis Faschingsdienstag soll das erledigt sein. Wenn die geschockten potenziellen Kunden das Portal jetzt kategorisch meiden, haben die US-Streamer nicht wirklich etwas gewonnen. Die Jungen finden Netflix eh cool, da braucht es keine Kampagne.

Aber für die anvisierte 40-Plus-Generation gilt wohl: mehr Leute verärgert als erreicht.

In den Finger geschnitten, quasi.

Über Detlev Brechtel 91 Artikel
Editor-in-Chief & Digital Strategy.
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