Ein gutes Plakat? Ist doch ganz einfach!

Wolfgang Hothum über vertane Chancen in der Plakatgestaltung

Am 29. März war es wieder soweit. Die Sieger der Plakadiva standen fest und wurden in Düsseldorf gebührend gefeiert. Freudestrahlen, Schulterklopfen. Und alle waren sich einig: OOH- und DOOH-Kreationen können sich sehen lassen. Und im euphorischen Überschwang macht dann auch schnell wieder der Ausspruch die Runde: „Ein gutes Plakat? Ist doch ganz einfach!“

Fakt ist: Zwei Wahrheiten liegen in diesem Satz – je nach dem, aus wessen Munde er zu hören ist und wie man ihn betont.

Wahrheit 1: Kommt die Aussage von Marken und Agenturen, dann lässt sie darauf schließen, dass sie sich dem Thema „Plakat“ oft und gerne mit einer gewissen Nonchalance nähern. Was dabei häufig außer Acht gelassen wird: Auf großen Flächen fallen schon kleine Fehler sofort ins Gewicht. Und zu allem Überfluss bieten „Billboard & Co.“ auch noch viel mehr Raum für große formalgestalterische Sünden.

Vor diesem Hintergrund sollten Agentur- und Markenentscheider ihre Haltung gegenüber dem Medium Plakat kritisch hinterfragen und sich vor Augen führen, welche Chancen sie im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegen lassen, wenn sie sich nicht am maximal Möglichen orientieren. Die Aussicht auf eine signifikant gesteigerte Marken-Wahrnehmung und ein Umsatz-Plus, das im Aktionszeitraum nicht selten die 20 Prozent-Marke knackt, sollten dafür Ansporn genug sein.

Wahrheit 2: Der Satz „Ein gutes Plakat ist doch ganz einfach!“, liefert nicht weniger als das Grundrezept für überzeugende OOH- und DOOH-Auftritte. Denn gute Plakate orientieren sich an den Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Wahrnehmung. Deshalb sind sie einfach und fokussiert.

Sie verdichten Bild- und Text- Botschaften auf plakative und anschlussfähige Hyperzeichen, die unser Unterbewusstsein als relevante Informationen erkennt und als „beachtenswert“ markiert. Die Konzepte und der Aufbau guter Plakate berücksichtigen auch die unterschiedlichen Wahrnehmungssituationen im öffentlichen Raum.

Ihnen setzen die unterschiedlichen Formate keine Grenzen, sondern sie nutzen deren Freiräume und Besonderheiten. Deshalb werden gute Plakate auch in jedem Umfeld auffällig. Deshalb sind sie einprägsam. Und deshalb zeigen sie auch die gewünschte Wirkung.

Aber wird die „bunte Plakat-Landschaft“ diesem Anspruch heute, in der Breite des Alltags, wirklich gerecht? Da sind Zweifel durchaus angebracht.

Denn schauen wir an dieser Stelle kritisch hin, müssen wir einem erheblichen Teil der im öffentlichen Raum sichtbaren Motive attestieren, dass sie aufgrund formaler Schwächen keinen Blickanker setzen können und deshalb auch nicht in der Lage sind, in das innere Feld des Bewusstseins vorzudringen.

Fazit: Wir alle dürfen uns am Abend einer Preisverleihung gerne über eine Handvoll guter Kreationen freuen. Aber an den übrigen Tagen sollten wir uns mit aller Macht dafür einsetzen, dass sich der Standard verbessert.

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